Wenn ich gleich zum Supermarkt gehe – man soll ja keine Werbung machen, deswegen gehe ich natürlich nicht zum Hofer, Billa, Inter-/Euro-/Gourmet-/Spar, Merkur, Zielpunkt, Lidl, Penny, u.s.w. – und mir auf ein Schmierblattl irgendwelche unleserlichen Hieroglyphen kritzel, was zu kaufen ich vorhabe, dann ist das
Schreiben.
Wenn mein lieber Herr Doktor Hausarzt innerhalb einer gefühlten Tausendstelsekunde eine Kraxe auf ein Rezept pfeffert, dann ist das
Schreiben.
Wenn die kleine Susi und der kleine Franzi, unter höchster Konzentration, in Superzeitlupentempo, ihre ersten Buchstaben feinsäuberlich in ihre Hausübungshefte malen,
dann ist das
Schreiben.
Wenn ich das 17-millionste sch***bürkratische A****lochformular für irgend einen ver*****ten Antrag ausfülle, und dabei schon wieder gefragt werde nach “Ort, Datum”,
dann ist das
Schreiben.
Wenn du deiner Tante eine Weihnachtskarte widmest,
dann ist das
Schreiben.
Wenn Herr Hinteroberübermeister eine interne Nachricht von absolut ultrawichtigster “do-geht-nix-driwa” Priorität an alle Mitarbeiter und Innen verfasst,
dann ist das
Schreiben.
Wenn in der Redaktion einer Tageszeitung alles auf Hochtouren läuft, alle sich vor lauter Stress gegenseitig auf die Zechn steigen, keiner weiß wo ihm der Kopf steht und die Tastaturen der gequälten Rechnertürme und Notebooks schon ächzen und wimmern,
dann ist das
Schreiben.
Wenn Steven King seinen 389sten – plus/minus einige bis viele – Thriller unter die Leut’ bringt,
dann ist das
Schreiben.
Wenn Dieter Bohlen einen Chartsstürmer-Hit für irgend ein armes Hascherl(*) von One-Hit-Wonder erfindet und und jenen geistigen Erguss zu Papier bringt,
dann ist das
Schreiben.
Wenn ein Schriftsteller zur Abwechslung wieder einmal ein UR gutes “John Sinclair” Abenteuer für den Bastei-Verlag erspinnt (das ‘p’ ist beabsichtigt), sodass gelangweilte Bahnhofstrafikgänger eine MEGAspannende Lektüre über Paranormalitäten für ihre endlose Zugsfahrt kriegen,
dann ist das (tatsächlich)
Schreiben.
Wenn mehrere Millionen Jugendliche weltweit sich gegenseitig mit SMS zupflastern,
dann ist das
Schreiben.
Wenn der Exekutivbeamte gerade bei deinem vor 30 Sekunden eingeparkten Auto steht und ein Liebesbriefchen – nur für dich! – in der Hand hält, in welches er Details wie Uhrzeit usw. einträgt, um es dann höflicherweise in Klarsichtfolie gehüllt in deiner Windschutzscheibe einzuklemmen,
dann ist das
Schreiben.
Wenn wir bei den Wahlen ein Kreuzerl in ein Ringerl machen,
dann ist das
Schreiben.
Wenn die gute Fee blogt,
dann ist das
Schreiben. Sagt neulich ein Freund zu mir:“Hey, du hast doch mal geschrieben, oder? Da hab ich manchmal gern gelesen. Da war mal der eine Artikel mit der Umfrage über die Plakate. Das fand ich echt witzig. …”
Ich so:“Oh, ja mich hats nicht so gefreut. Aber wenn ich sowas weiß, dann freuts mich wieder mehr zu schreiben.” Wie schmeichelhaft!
Ich SCHREIBE.
…nur nicht immer im Blog.
Hosanna.
LGGF
(*) welches dann Länge mal Breite ausgenommen wird mittels Knebelvertrag und nachher die G’fi**te – etwaig wörtlich – ist.
schön geschrieben… gut zu lesen… leicht zu gefallen…
Ja leider. (schreibst nicht immer im Blog)
Ich sollte auch öfter schreiben!
lg!!
@mario: merci – warst diesmal quasi die muse ;-P
@plektron: naja weißt eh, auch beim bloggen heißts: GZSZ
LGGF
Manche meinen, Musik sei die abstrakteste und edelste Kunstform.
Aber stimmt das? Ist nicht das Schreiben noch abstrakter? Weil: Ein Komponist kann kein, sagen wir, Haus, Wetter, Wald etc. beschreiben.
Ein Schriftsteller kann aber, bis auf den letzten Ton eine Symphonie (be)schreiben – im Sinne von: Eine Symphonie komponieren!!!
Er kann mithilfe von Worten ein Bild bis auf den letzten Farbpunkt beschreiben. Er kann also auch Bilder malen. Das Schreiben kann alles- wenn auch nur in abstrakter Form. Mit Schreiben ist alles möglich…….
Insofern ist der Schriftsteller der abstrakteste und teheoretischste von allen Künstlern.
Ob er freilich das Bild auch malen kann, ist eine andere Frage, ob nur mehr eine der Fingerfertigkeit; so ähnlich, wie sich der Komponist vom Pianisten unterscheidet.
Und ist vielleicht darum die Bibel eine heilige SCHRIFT und nicht ein heiliges Lied/Bild/Skulptur?
hmja, wollt ich nur sagen äh schreiben.
Danke für die Inspiration!
Und wenn Yeti einen Witz erzählt, dann ist das auch schreiben.
Sagt einer zum anderen: “Kennst Du Ben Hur?”
“Nein, aber seine Mutter”
interessante Überlegungen!
LGGF